Titelgrafik der Baufi-Zentrum Baden GmbH: Silver Tsunami – Die Welle kommt, nur nicht jetzt. Marktwissen Südbaden, Oktober 2026.

Silver Tsunami: Warum Warten in Südbaden nicht lohnt

Die Bauzinsen sind gestiegen, die Angebotspreise für Bestandswohnungen ziehen weiter an. Gleichzeitig ist überall vom „Silver Tsunami“ die Rede – einer Welle von Babyboomer-Häusern, die den Markt fluten und die Preise drücken soll. Wie passt das zusammen? Die kurze Antwort: Die beiden Entwicklungen laufen auf völlig unterschiedlichen Zeitachsen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Laut Schätzungen gehören rund 32 % der Eigentumsimmobilien in Deutschland der Babyboomer-Generation.
  • Den Höhepunkt der Eigentümerwechsel erwarten Fachleute erst zwischen 2040 und 2050 – nicht in den nächsten Jahren.
  • Ältere Eigentümer ziehen selten um, viele Häuser werden in der Familie weitergegeben und kommen nie auf den Markt.
  • Spürbare Preisrückgänge werden vor allem in schrumpfenden, strukturschwachen Regionen erwartet. Für Freiburg und Südbaden gilt das nach heutigem Stand kaum.
  • Kurzfristig bewegen die Bauzinsen die Preise deutlich stärker als die Demografie.

Inhalt

  1. Was hinter dem Begriff steckt
  2. Warum die Welle bisher ausbleibt
  3. Die Region entscheidet
  4. Was kurzfristig wirklich zählt
  5. Wo die eigentliche Chance liegt
  6. Häufige Fragen
  7. Unser Fazit

Was hinter dem Begriff steckt

Die geburtenstarken Jahrgänge – grob die Jahre von Mitte der 1950er bis Ende der 1960er – gehen derzeit in Rente oder sind bereits im Ruhestand. Sie halten einen überdurchschnittlich hohen Anteil am selbst genutzten Wohneigentum. Laut Schätzungen, auf die sich der Sparkassen-Beitrag zum Thema stützt, befinden sich rund 32 Prozent aller Eigentumsimmobilien in Deutschland in der Hand dieser Generation.

Die Überlegung dahinter klingt logisch: Wenn diese Eigentümer ihre Häuser aufgeben – durch Umzug, Pflegebedürftigkeit oder im Erbfall –, kommen viele Objekte gleichzeitig auf den Markt. Mehr Angebot bei gleicher Nachfrage würde die Preise drücken. Doch genau an mehreren Stellen dieser Kette hakt es.

  • rund 32 % der Eigentumsimmobilien gehören der Babyboomer-Generation (Schätzung, zitiert nach Sparkasse.de)
  • 2040–2050 erwarteter Höhepunkt der Eigentümerwechsel (Fachdebatte, u. a. Helaba Research)
  • 1,5 % der Rentner mit Wohneigentum ziehen pro Jahr um (Raiffeisen-Studie, Schweiz)

Warum die Welle bisher ausbleibt

1. Der Zeitpunkt liegt in der Zukunft

Die Babyboomer sind heute grob zwischen Ende 50 und Anfang 70. Die allermeisten wohnen noch selbst in ihren Häusern. Den Höhepunkt der Eigentümerwechsel erwarten Fachleute erst zwischen 2040 und 2050. Selbst die Helaba bezieht die Sorge vor einem rasch wachsenden Überangebot ausdrücklich auf die Zeit ab 2040 – und hält sie auch dann für überzogen.

Zeitachse von 2026 bis 2050: Die Eigentümerwechsel bei Babyboomer-Immobilien nehmen schrittweise zu und erreichen ihren erwarteten Höhepunkt zwischen 2040 und 2050.
Schematische Darstellung des erwarteten Verlaufs, keine exakte Mengenangabe.

2. Ältere Eigentümer verkaufen selten

Die Vorstellung, dass Rentner ihr Haus gegen eine kleinere Wohnung tauschen, ist weit verbreitet – die Zahlen geben sie kaum her. Eine Analyse der Raiffeisen kommt zu dem Ergebnis, dass jährlich nur rund 1,5 Prozent der Rentner mit Wohneigentum überhaupt umziehen. Ein Wechsel lohnt sich oft weder wirtschaftlich noch praktisch, weil passende Ersatzobjekte fehlen. Die Studie stammt aus der Schweiz, die Grundaussage gilt aber nach Einschätzung von Fachleuten weitgehend auch für Deutschland.

3. Viele Häuser kommen gar nicht auf den Markt

Ein erheblicher Teil der Immobilien wird vererbt, verschenkt oder innerhalb der Familie weitergegeben. Gerade in gefragten Regionen werden frei werdende Objekte nach Beobachtung der Sparkassen oft direkt an Kinder, Verwandte oder Bekannte übergeben. Ein öffentliches Inserat gibt es dann nie.

4. Heute ist Wohnraum knapp – nicht im Überfluss

Der aktuelle Markt wird vom Gegenteil eines Überangebots geprägt. Nach Angaben des Pestel Instituts fehlten Ende 2024 bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen, vor allem im bezahlbaren Segment und in Großstädten. Die Helaba beschreibt eine Kombination aus hoher Nachfrage und knappem Angebot und rechnet für 2026 mit einem Rückgang der Fertigstellungen auf rund 200.000 Wohnungen. Zusätzliches Angebot aus Babyboomer-Hand würde in solchen Märkten zunächst bestehende Lücken schließen, statt Preise zu drücken.

Die Region entscheidet

Fachleute sind sich in einem Punkt einig: Den einen deutschen Immobilienmarkt gibt es nicht. Spürbare Preiseffekte erwarten Banken und Institute dort, wo zusätzliches Angebot auf eine bereits schwache Nachfrage trifft – in strukturschwachen, ländlichen Regionen mit sinkender Bevölkerung, vor allem in Teilen Ostdeutschlands.

Der Postbank Wohnatlas 2026 zeichnet entsprechend kein Bild eines flächendeckenden Preisverfalls. Bis 2035 erwartet die Prognose in 13 von 16 Bundesländern inflationsbereinigt steigende Preise für Bestandswohnungen; Rückgänge sieht sie nur für Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Teile Süddeutschlands zählen ausdrücklich zu den Regionen mit positiver Erwartung.

Für Freiburg und den Breisgau zeigt der IVD Süd e.V. ein ähnliches Bild: Die Nachfrage nach Bestandsimmobilien bleibt hoch, hat sich zu Jahresbeginn wegen gestiegener Zinsen aber leicht abgeschwächt. Im Stadtgebiet stiegen die Preise leicht, im Nördlichen Breisgau blieben sie tendenziell konstant.

Für Kaufinteressierte in Freiburg, im Breisgau-Hochschwarzwald, im Landkreis Emmendingen, im Raum Lörrach und am Hochrhein bedeutet das: Die Region gehört zu den Wachstumsräumen, in denen frei werdende Häuser auf eine stabile Nachfrage treffen – gerade aus dem Umland der Stadt Freiburg und durch die Nähe zur Schweiz. Auf deutliche Preisabschläge allein durch die Demografie sollte hier niemand setzen.

Zur Einordnung: In einer Region mit Zuzug, starker Wirtschaft und knappem Neubau wie Südbaden ist der Silver Tsunami nach heutigem Stand kein Grund, eine Kaufentscheidung um Jahre zu verschieben. Wer wartet, wartet auf einen Effekt, der hier voraussichtlich schwach ausfällt – und frühestens in den 2040er-Jahren seinen Höhepunkt erreicht.

Was kurzfristig wirklich zählt

Für die Preise der nächsten Monate und Jahre ist ein anderer Faktor entscheidend. Pekka Sagner vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bezeichnet die Zinsentwicklung als den kurzfristig stärkeren Faktor, weil sie unmittelbar auf Finanzierbarkeit, Nachfrage und damit auf Preise wirkt. Die Alterung der Babyboomer ordnet er dagegen als langfristigen, strukturellen Faktor ein.

Genau das erklärt, warum aktuell beide Nachrichten gleichzeitig stimmen können: Die Demografie verändert langsam das Angebot der kommenden Jahrzehnte. Die gestiegenen Bauzinsen verändern schon heute, was sich Käuferinnen und Käufer leisten können – und damit auch den Verhandlungsspielraum. Wo die Bauzinsen aktuell stehen und warum Ihr persönlicher Zins vom Durchschnitt abweichen kann, lesen Sie in unserem Beitrag Bauzinsen Oktober 2026.

Wo die eigentliche Chance liegt

Ein Aspekt der Debatte wird oft übersehen: Ein großer Teil der Häuser, die nach und nach aus Babyboomer-Hand frei werden, ist energetisch und baulich nicht auf dem aktuellen Stand. Für die Kaufentscheidung zählt deshalb weniger der Kaufpreis allein als die Gesamtkosten einschließlich Sanierung und Modernisierung.

  • Energieeffizienzklasse prüfen: Sie entscheidet über Sanierungsbedarf, Nebenkosten und den Zugang zu Förderprogrammen.
  • Förderung einplanen: Für Familien, die ein sanierungsbedürftiges Bestandsobjekt kaufen, hat die KfW das Programm „Jung kauft Alt“ (308) im August 2026 deutlich verbessert.
  • Preisverhandlung nutzen: Bei Objekten mit Sanierungsstau ist der Verhandlungsspielraum oft größer als bei modernisierten Immobilien.
  • Reihenfolge beachten: Viele Förderkredite müssen vor dem Notartermin beantragt werden.

Häufige Fragen

Was bedeutet Silver Tsunami am Immobilienmarkt?

Der Begriff beschreibt die Erwartung, dass viele Immobilien der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge in den kommenden Jahrzehnten den Besitzer wechseln. Laut Schätzungen befinden sich rund 32 Prozent der Eigentumsimmobilien in Deutschland in der Hand dieser Generation.

Wann kommen die Babyboomer-Immobilien auf den Markt?

Nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise über viele Jahre. Den Höhepunkt der Eigentümerwechsel erwarten Fachleute zwischen 2040 und 2050.

Warum sinken die Immobilienpreise trotz Silver Tsunami nicht?

Weil die meisten Babyboomer ihre Häuser noch selbst bewohnen, ältere Eigentümer selten umziehen, viele Objekte innerhalb der Familie weitergegeben werden und in gefragten Regionen derzeit Wohnraum fehlt. Kurzfristig wirken Zinsen deutlich stärker auf die Preise als die Demografie.

Lohnt es sich in Südbaden, mit dem Hauskauf auf den Silver Tsunami zu warten?

Nach Einschätzung von Banken und Forschungsinstituten eher nicht. Spürbare Preiseffekte werden vor allem in strukturschwachen Regionen mit sinkender Bevölkerung erwartet. Für Süddeutschland sieht der Postbank Wohnatlas 2026 bis 2035 überwiegend steigende reale Preise.

Unser Fazit

Der Silver Tsunami ist real – aber er ist kein Tsunami, sondern eher eine langsame, regional sehr unterschiedliche Verschiebung über Jahrzehnte. Dass die Preise trotz der Debatte bisher nicht reagieren, ist deshalb kein Widerspruch: Die Häuser sind schlicht noch nicht frei, und in gefragten Regionen wie Südbaden trifft jedes zusätzliche Angebot auf eine Nachfrage, die größer ist als das, was heute gebaut wird. Für Ihre Kaufentscheidung zählen die Faktoren, die Sie jetzt kennen und planen können: Zinsen, Eigenkapital, Sanierungsbedarf und Förderung.

Lohnt sich Ihr Vorhaben – heute?

Wir rechnen mit Ihnen durch, was ein Kauf bei aktuellem Zinsniveau kostet, welche Förderprogramme greifen und wie viel Sanierung in die Finanzierung passt.

Beratungstermin vereinbaren

Quellen: Sparkasse.de: „Silver Tsunami“: Wenn Millionen Häuser den Besitzer wechseln, Stand 28. April 2026 (inkl. Angaben des Pestel Instituts, Sozialer Wohn-Monitor 2026); Helaba Research: Im Fokus Immobilien – Wohnraum in Deutschland bleibt knapp und teuer, 23. Juli 2026; Postbank Wohnatlas 2026, Kaufpreisprognose des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI); Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Einschätzungen von Pekka Sagner, Senior Economist für Wohnungspolitik, 2026; Raiffeisen Schweiz: Studie zum Wohneigentum der Babyboomer, 2025; IVD Süd e.V.: CityReport Freiburg, Frühjahr 2026.

Datenstand: Die regionalen Marktdaten für Freiburg beziehen sich auf das Frühjahr 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Prognosen sind mit Unsicherheit behaftet und können sich jederzeit ändern. Dieser Beitrag stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.

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